Da Webpress jetzt meine neue Startseite ist, lese ich auch immer fleißig blogs die mich interessieren. Als da heute ein Artikel mit dem Titel Chemie auftauchte, mußte ich, als angehender Chemielehrer, diesen gleich lesen und natürlich einen Kommentar dazu abgeben, denn bekennende Kligscheißer haben zu allem eine Meinung. Mir fiel jedoch im Laufe des Kommentars soviel zu dem Thema ein, dass ich mich entschloß einen eigenen Artikel, dazu zu verfassen und somit auch die Trashbacks einmal auszuprobieren.
In Chemiedidaktik haben wir vor einiger Zeit darüber gesprochen, warum Chemie (das Fach in der Schule, wie auch der Begriff im Allgemeinen) so negativ belegt ist. Dafür das es so ist gibt es zahllose Beispiele:
- Spricht man von Salz ist das kein Problem, kein Mensch regt sich auf, wenn man sagt, da ist Salz drin. Sagt man aber ich habe Natriumchlorid hinzugefügt, werden die Leute hellhörig.
- Viele Menschen schwören bei Erkältungskrankheiten auf ein wenig Alkohol im Tee oder Hustensaft. Medikamente mit Ethanol als Inhaltsangabe sind jedoch weniger gefragt.
- Merkwürdig ist auch, dass es scheinbar völlig in Ordnung ist, schlecht in Chemie zu sein. Bei Umfragen hat sich ergeben, das sogar (ein)gebildete Menschen, welche sich viel auf ihre Ausbildung zu Gute halten, es akzeptabel bis normal finden, schlecht in Chemie zu sein.
Es gibt natürlich noch viele andere Beispiele über die Unwissenheit in Punto Chemie, aber eine Schilderung des Professors, ist bei mir besonders hängengeblieben:
Studenten irgendeiner Uni (den Namen habe ich mir entweder nicht gemerkt oder er wurde nicht genannt) haben in der Stadt eine Unterschriftensammlung zum Verbot der gefährlichen Chemikalie Dihydrogenoxid durchgeführt. Als Gründe führten sie an, dass diese Chemikalie für weltweite Verwüstungen sorgt, dass jährlich viele Menschen durch diese Chemikalie ums Leben kommen, usw. Der Witz ist, dass sie tausende Unterschriften zusammen bekamen, kein Mensch fragte genauer nach, sie hörten Chemikalie und unterschrieben. Für Nichtchemiker nicht so ganz einfach zu wissen ist, dass es sich bei Dihydrogenoxid um das allseits bekannte H2O, also stinknormales Wasser handelt. Es dennoch seltsam, dass nur wenige nachfragten, was den diese Chemikalie genau mache, wofür sie eingesetzt wird o.ä.
Selbstverständlich bin ich mittlerweile chemisch verblendet und gehe mit diesen Dingen normaler um, als jemand der kaum Kontakt zu diesem Material hat. Aber sollten wir uns nicht immer erst fragen, worum es eigentlich genau geht, bevor wir etwas verteufeln?
In meinem Kommentar bei “sturm im wasserglas” habe ich das Beispiel Lebensmittelfarbstoffe gebracht, welche mit E + nummer in den Inhaltsangaben von Lebensmitteln angegeben werden müssen. Es ist sinnvoll sich genau zu informieren bevor man sie alle verteufelt, denn hinter vielen E´s stecken natürliche Farbstoffe wie Chlorophyll, Curry, Carotinoide…
So das ist jetzt auch alles, was mir zum Thema Chemie einfällt, außer dass auch ich eine Spätberufene bin. In der Schule habe ich Chemie abgewählt und bin nur über Umwege im Studium darauf gestoßen. Jetzt allerdings finde ich es faszinierend wie sich viele Dinge der Biologie und Physik auf dieser Ebene erklären.
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